Durchschnittsberechnung: So funktioniert der Einstandskurs

"Beim Nachkaufen sinkt der Durchschnitt" - das wissen die meisten. Aber wie stark sinkt er? Unter welchen Bedingungen ist das Nachkaufen effektiv? Wenn Sie die Mathematik verstehen, können Sie fundierte Anlageentscheidungen treffen.

Die Formel für den Durchschnittskurs

Das Nachkaufen basiert auf dem gewichteten Durchschnitt. Es ist nicht einfach der Mittelwert zweier Preise, sondern berücksichtigt die jeweilige Stückzahl.

Durchschnittskurs-Formel

Durchschnittskurs = Gesamtinvestition / Gesamtanzahl Aktien

Gesamtinvestition = (Kurs1 × Anzahl1) + (Kurs2 × Anzahl2) + ...

Die Formel klingt kompliziert, ist aber einfach: Sie teilen Ihre gesamte Investitionssumme durch die Gesamtzahl Ihrer Aktien.

Praxisbeispiel: SAP-Aktie nachkaufen

Ausgangssituation

  • 1. Kauf: 100 EUR pro Aktie, 100 Stück (Investition: 10.000 EUR)
  • Kursrückgang: auf 80 EUR (-20%)
  • Überlegung: Nachkaufen?

Szenarien im Vergleich

NachkaufZusatzinvestitionGesamtanzahlNeuer DurchschnittReduktion
50 Stück4.000 EUR150 Stück93,33 EUR-6,7%
100 Stück8.000 EUR200 Stück90,00 EUR-10,0%
150 Stück12.000 EUR250 Stück88,00 EUR-12,0%
200 Stück16.000 EUR300 Stück86,67 EUR-13,3%

Erkenntnis

Bei 100 zusätzlichen Aktien sinkt der Durchschnitt von 100 EUR auf 90 EUR - eine Reduktion von 10%. Dafür sind aber 8.000 EUR zusätzliches Kapital nötig. Die Gesamtinvestition steigt auf 18.000 EUR.

Wichtig: Der Durchschnitt sinkt, aber Ihr Risiko-Exposure steigt ebenfalls.

Drei Gesetze der Nachkauf-Effizienz

1

Je größer der Kursrückgang, desto effektiver

Bei 5% Kursrückgang sinkt der Durchschnitt nur um 2-3%. Bei 30% Rückgang kann er um 10-15% sinken.Geduld zahlt sich aus - warten Sie auf größere Rücksetzer.

2

Je mehr Stücke, desto effektiver

Je mehr Sie nachkaufen, desto näher rückt der Durchschnitt an den aktuellen Kurs. Bei Verdopplung der Position liegt der neue Durchschnitt genau in der Mitte.

3

Der erste Nachkauf ist am effektivsten

Die erste Nachkauf-Tranche hat den größten Effekt. Mit jeder weiteren Tranche nimmt die Wirkung ab.Daher ist eine gute Kapitalplanung entscheidend.

Break-Even-Punkt berechnen

Nach dem Nachkaufen stellt sich die Frage: "Wie viel muss die Aktie steigen, um wieder im Plus zu sein?"

Fortsetzung SAP-Beispiel (100 Stück nachgekauft)

  • Neuer Durchschnitt: 90,00 EUR
  • Aktueller Kurs: 80,00 EUR
  • Benötigter Anstieg zum Break-Even: 12,5%

Break-Even-Formel

Benötigter Anstieg = (Durchschnitt - Kurs) / Kurs × 100

(90 - 80) / 80 × 100 = 12,5%

Beachten Sie

Vor dem Nachkaufen war ein Anstieg von 25% nötig, um den Break-Even bei 100 EUR zu erreichen. Nach dem Nachkaufen reichen 12,5% für den Break-Even bei 90 EUR. Aber: 8.000 EUR zusätzliches Kapital sind jetzt gebunden.

Wann Sie NICHT nachkaufen sollten

-

Bei unzureichendem Kapital

Kleine Nachkäufe haben kaum Wirkung. 10 Stück zu 100 bestehenden Aktien senken den Durchschnitt um weniger als 2%.

-

Bei frühen Kursrückgängen

Bei 5-10% Rückgang nicht vorschnell handeln. Bei größeren Rückgängen fehlt dann das Kapital. Warten Sie mindestens 15-20% Rückgang ab.

-

Bei fundamentalen Problemen

Gewinneinbrüche, Branchenprobleme oder strukturelle Schwächen? Nachkaufen kann die Verluste dann nur vergrößern.

-

Bei zu hoher Konzentration

Wenn eine Position mehr als 20-30% Ihres Portfolios ausmacht, ist Diversifikation wichtiger als Nachkaufen.

Effektive Nachkauf-Strategie

1

Maximales Investment festlegen

Definieren Sie den Höchstbetrag für diese Position. Beispiel: Maximal 25.000 EUR in SAP investieren.

2

Anzahl und Abstände planen

Planen Sie 3-5 Tranchen mit Abständen von 10-15% Kursrückgang. Beispiel: Nachkauf bei -15%, -25%, -35%.

3

Pyramidenstrategie anwenden

Erhöhen Sie die Beträge mit jeder Tranche (Pyramide). Beispiel: 5.000 EUR, dann 8.000 EUR, dann 12.000 EUR.

4

Stopp-Loss definieren

Unbegrenztes Nachkaufen ist gefährlich. Setzen Sie eine Verlustgrenze von 25-40% der Gesamtinvestition.

Jetzt selbst berechnen

Berechnen Sie Ihren neuen Durchschnittskurs vor dem Nachkaufen.

Häufig gestellte Fragen

A.

Nein, nur wenn Sie zu einem niedrigeren Kurs als Ihrem aktuellen Durchschnittskurs kaufen. Kaufen Sie bei 100 EUR Durchschnittskurs weitere Aktien zu 120 EUR, steigt Ihr Durchschnitt.

A.

Wenn Sie die gleiche Anzahl wie Ihren Bestand nachkaufen, liegt der neue Durchschnitt genau in der Mitte zwischen altem und neuem Kurs. Bei 100 Aktien zu 100 EUR und 100 Aktien zu 80 EUR ergibt sich ein Durchschnitt von 90 EUR.

A.

Die Wirkung ist gering. Bei 100 Aktien zu 100 EUR und nur 10 Aktien zu 80 EUR sinkt der Durchschnitt nur auf 98,18 EUR - eine Reduktion von weniger als 2%.

A.

Typischerweise 3-5 Mal. Zu häufiges Nachkaufen erhöht Transaktionskosten und konzentriert zu viel Kapital in einer Position. Ein Abstand von 10-20% Kursrückgang zwischen den Käufen ist sinnvoll.

A.

Nicht unbedingt. Sie können einen Teil verkaufen und den Rest als Langfristanlage halten. Die Entscheidung hängt von Ihren Anlagezielen und der Unternehmensbewertung ab.

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